Verstellbare Pull-Pull-Anlenkung für Leichtsegler
Eigenschaften bekannter Anlenkungsarten für Leitwerke in ferngesteuerten Kleinseglern (HLG, DLG):
- Anlenkung mittels dünner Federstahldrähte:
Vorteil: einfach
Nachteil: schwer, meist nur durch Zerstörung austauschbar, nicht spielfrei, schlecht in der Länge einstellbar (nur durch zusätzliche Gestängeanschlüsse, welche aber wieder Spiel verursachen, oder durch einen Knick im Federstahl, der aber nur beschränkten Längenausgleich erlaubt)
- Anlenkung mittels Rückstellfeder-Technik:
VT: nur ein Seil wird verwendet, leicht,
spielfrei, Nachstellung läßt sich begrenzt durch Servohornverstellung erreichen
NT: etwas komplizierter im Aufbau,
bei Seilriss schlägt das Ruder voll aus, Servo verliert halbes Drehmoment, Servo zieht möglicherweise
auch ohne Ruderausschlag immer Strom durch Federbelastung (Flugzeit mit einem Akku könnte dadurch
reduziert werden), die Federkraft ist schwer präzise einzustellen, Verzug dünner Leitwerke
durch die Feder
- Anlenkung mittels zweier Seile (Pull-Pull):
VT: Servo ist kräftefrei, spielfrei, leicht, bei
Seilriss läßt sich Modell noch halbwegs steuern (Ruderrückstellung durch den Fahrtwind)
NT: etwas komplizierter im Aufbau,
schwierig bei der Grundeinstellung (man muß die Mitte des Ruderauschlags mit einem Knoten
richtig erwischen), schwierig zum Nachstellen, Austausch angescheuerter Stellen nicht
möglich
Wie sich eine Verstellmöglichkeit realisieren läßt:
Da mir trotzdem für möglichst leichte HLGs die Pull-Pull-Anlenkung am geeignetsten
erschien, habe ich nach Möglichkeiten gesucht, die Seile in der Länge einstellbar zu
machen. Möglich wurde das dann durch ein GFK-Plättchen (ca. 1mm stark) mit 3 Bohrungen,
die speziell versetzt sind.
Die Funktion des Plättchen ist recht einfach: wird der Zug am Seil auf der Ruderseite
größer, verdreht sich das Plättchen, weil das vom Servohorn kommende Seilende auf der
anderen Seite des Plättchens zieht. Der Knick im Seil durch die beiden Löcher wird nun
größer, und das Seil kann umsoweniger durchgleiten. Da die Seile (in meinem Fall
Kevlar-Vorfach aus dem Angelfachgeschäft) auch elastisch sind, kann man eine geringe
Vordehnung erreichen, die einerseits das Seil am rutschen hindert, andererseits auch
Spielfreiheit garantiert. Bedenken über durchrutschende Seile bei ruckartigen Kräften
(Seitenruder bei SAL-Start) kann ich zerstreuen. Die Anlenkung funktioniert seit einer
Saison mit doch recht vielen Starts noch immer bestens. Ein lockeres Seil nach dem Start
hatte ich nie zu beklagen. Praktisch ist, daß man, wenn man einen anderen Flügel am
Rumpf hat, und die EWD am HLW anpaßt, die Seile an Ort und Stelle sauber einstellen kann.
Auch läßt sich die Lebensdauer der Seile erhöhen, da sich angescheuerte Stellen am Seil
versetzen lassen. Am Seilende beim Ruderhorn werden ein, oder mehrere Knoten gemacht
(somit wird das Seil um die Länge die für den Knoten verbaucht wird kürzer), und vorne
mit dem Einstellplättchen aus der Reserve wieder Seil nachgegeben. Sollte das Ruder
getauscht werden müssen, so kann man das Seil entspannen, aushängen und bequem ohne
Spannung am Ruder hantieren.
Bau des Plättchens:
Am besten man bohrt die Löcher vor dem Ausschneiden. Die Position der Löcher ist
nicht so genau, die Aufteilung soll halbwegs stimmen. Als Bohrer verwende ich einen
abgezwickten 0.8mm Federstahldraht. Die Plättchen werden dann mit einer Laubsäge
ausgeschnitten, am Rand leicht verschliffen und abgerundet.
Seilmontage:
Das Anlenkungsseil wird vor dem Abschneiden von der Spule am besten mit Superkleber gehärtet, damit es sich leichter durchschneiden läßt. Durch diese Verhärtung läßt sich das Seil problemlos in das Plättchen einfädeln.

Abb.1: Verlauf des Seiles. Der Knoten muß so groß sein, daß er nicht durch die Bohrung rutschen kann.
Abb.2: Installierte Seile im Detail
Abb.3: Komplette 2-Achser Bestückung mit 4 Einstellplättchen
Fixierung am Ruderhorn:
Das Ruderhorn wird, wenn es wie beim Seitenruder auf beiden Seiten des Ruders ist, nur immer in einer Richtung belastet. Wenn man in der anderen Richtung einen kleinen Schnitt zur Bohrung sägt, dann kann man das Seil wieder aushängen. Der Knoten am Ende des Seiles wird mit Superkleber gehärtet, daß er nicht rutschen kann.
Abb.4 und 5: Der Schnitt in die Bohrung und beidseitige Ruderhörner
Wenn das Ruderhorn nur auf einer Seite ist (z.B: Höhenruderanlenkung mit Umlenkung des Seiles
im Seitenruder) dann werden die beiden Seile in die Bohrung eingefädelt und verknotet.
Durch den Knoten können die Seile bei Zug nicht durch die Bohrung rutschen (ansonsten
noch einen zweiten Knoten auf den ersten machen). Bei einer Wartung lassen sich die Seile
auf die Seite des Knotens herausziehen. Wenn die Bewegung es zuläßt, kann man auch hier
einen kleinen Schnitt machen, um die Seile auszuhängen. Es ist aber darauf zu achten,
daß die Seile nicht dadurch herausrutschen können.
Abb.6: Höhenruderanlenkung mit umgelenkten Seil zum einseitigen Ruderhorn (ohne
Einschnitt zur Bohrung). Als Umlenkpunkt dient ein Kohlefaserstäbchen.
Viel Spaß beim Nachbauen!
Copyright by Klemens Fehringer, 2004
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